JG12: Der Freiheitsbegriff bei Kant, Herder und Freud

Kant:

– Es besteht eine Abhängigkeit des Menschen von der „sinnlichen Welt“

– Trotzdem ist in der „Verstandeswelt“ des Menschen Freiheit durch Gebrauch der Vernunft möglich, die sich von der Sinneswelt befreien kann

 

Herder:

-Vernunft und Freiheit sind eine Gabe (Gottes)

– „Mensch ist der erste Freigelassene der Schöpfung“

– Er hat Wahlfreiheit zw. Gut und Böse, auch wenn ihn zB. Triebe zu fesseln scheinen und Irrtümer möglich sind

– Gott hat diese Freiheit begrenzt, wodurch der Mensch zB. auch irren kann (Sünde)

– Mensch ist zu einer besseren Vernunft/ besserer Humanität fähig

 

Vergleich:

  • Herder ist deutlich mehr von Kant beeinflusst als Luther: Freiheit ist zwar eine (begrenzte) Gabe Gottes, aber die Autonomie des Menschen – nicht nur des Christen – (Fähigkeit zur Vernunft) wird deutlich betont, während Luther, ausgehend von seiner Rechtfertigungslehre, ausschließlich auf die Gottesbindung und dessen Autorität (durch sein Wort, dem der Mensch verpflichtet ist) setzt. Diese allein macht ihn frei.
  • Auch der Sündenbegriff spielt bei Herder eine eher untergeordnete Rolle. Der Mensch selbst kann sich von diesen „Fesseln“ befreien. Nach Luther ist dies nur durch das Gottesgeschenk der Rechtfertigung und den daraus folgendenden Glauben an Gott möglich, der die Sünden vergibt

 

Ganz anders Sigmund Freud als Psychoanalytiker:

  • Der Mensch, d.h. sein „Ich“, ist von der Macht des Unbewussten („Es“) bestimm und deswegen nicxht „Herr im eigenen Hause“
  • Diese wissenschaftliche Erkenntnis ist die „dritte Kränkung“ des Menschen (nach der vorhergehenden Erkenntnis, dass:
    – die Erde nicht Mittelpunkt des Universums
    – der Mensch biologisch kein Schöpfungsvorrecht hat, sondern aufgrund der Darwinschen Forschungen am Ende der bisherigen Evolution steht

 

Der Einfluss des Unbewussten bzw. der Psyche auf das Denken, Verhalten und  Handeln des Menschen darf als unbestritten gelten.
Psychosomatische Krankheiten, Zwangsneurosen, irrationale Ängste etc. etc. sind deutlich Belege.

Aber : der Mensch besitzt die Möglichkeit, gegen diese Steuerungen durch das Unterbewusstsein anzugehen, sie zu bekämpfen und sich von diesen Fesseln zu befreien, v.a. durch psychtherapeutische Maßnahmen. Daraus kann das eigene Selbstbewusstsein gestärkt hervorgehen.

Gleiches dürfte auch im Blick auf die Rolle der Eltern gelten. Die eigene Prägung durch elterlichen Einfluss ist nicht zu bestreiten, bedeutet aber nicht unbedingt etwas Negatives bzw. eine Sackgasse in der eigenen Persönlichkeitsentwicklung.
Zu dieser gehören im Normalfall immer gelingende Entwicklungs- und Lösungsprozesse (z.B. durch die Pubertät), die einen Freiheitsgewinn bedeuten.

Zudem dürfte ja wohl auch nicht alles schlecht sein, was einem die Eltern auf den eigenen Lebensweg mitgeben, sondern kann für das eigene Leben hilfreich sein (Eltern als Vorbild).  Es ist ja das Hauptziel einer verantwortungsvollen Erziehung, die eigenen Kinder zu selbständigen Persönlichkeiten heranzuziehen

 

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