Jg12: Der Mensch in seiner Unwürdigkeit

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Text „Der Mensch in seiner Unwürdigkeit“ (Paul Valadier)

  • Die Zeit der Aufklärung (Kant!) hat durch ihre aufklärerische Sicht des Menschen und seiner Möglichkeiten (Vernunft, freier Wille, Sprachfähigkeit, Zeitgefühl) eine fatale Folge für das Menschenbild gehabt:
  • Sie schließt damit eigentlich solche „Personen“ aus, diese Möglichkeiten nicht (mehr) haben!
  • Haben diese Personen dann nach den Überlegungen einer solchen „humanistischen“ Definition überhaupt noch eine Würde?
  • Entgegnung: In jedem Einzelnen ist das gemeinsame Menschsein zu erkennen und zu achten, selbst wenn er/sie diese Attribute nicht (mehr) oder noch nicht aufweist
  • Eine „anthropologische korrekte“, der Aufklärung/ dem Rationalismus zuzuordnende Definition ist daher abzulehnen
  • Verweis auf die antike Literatur
  • Ödipus (Sophokles) ist aufgrund seiner Taten eigentlich aus dem Raster normalen Menschseins gefallen. Er appelliert aber gerade jetzt daran, in ihm den „wahrhaften Menschen“ zu erkennen, der eigentlich aufgrund seiner Taten nichts mehr vorzuweisen oder einzufordern hat. Er ist eigentlich am Ende…
  • Die christliche Botschaft, v.a. das Evangelium Jesu, zeigt in der Erzählung vom barmherzigen Samariter: dieser kümmert sich nicht um den Verletzten, weil er dessen (eigentliche) vorherigen Qualitäten achtet, sondern weil dieser in seiner Schutzlosigkeit einfach Hilfe braucht. Der Samariter achtet den „entstellten Menschen“ und hat damit gezeigt, was Achtung der Menschenwürde bedeutet.
  • So ist die Menschenwürde nicht gegründet auf die o.g. Definitionen, sondern auf „unsere gemeinsame Unwürdigkeit“, einer „Moral der Solidarität“. Sie ehrt „im anderen sein nacktes Menschsein“
  • Menschenwürde ist also keine Eigenschaft (kein Attribut), sondern eine Beziehung
  • Sie zeigt sich im Verhalten zum anderen, wenn wir damit erkenntlich machen, dass der/die andere ein Mensch ist wie wir selbst, selbst dann, wenn es nicht (mehr) so aussieht…

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