Jg12: Der Mensch vor Gott (Schulbuch S. 245, Aufgabe zu M23)

1.) Ausgangspunkt der reformatorischen Lehre ist die Entdeckung der unverdienten Gnade Gottes, die dieser den Menschen schenkt, weil der Mensch den Ansprüchen Gottes
(„dem Gesetz“) von sich aus niemals gerecht werden kann, egal wie er sich anstrengen mag. Er ist auf das Evangelium (die „frohe Botschaft“) angewiesen, damit er vor Gott bestehen kann.

2.)Mit dem Bild von L. Cranach kann der Gegensatz zwischen Gesetz und Evangelium und damit auch der kurze Text M23 auf Seite 245 erklärt werden: Das Bild wird zweigeteilt durch einen Baum, der links verdorrt und rechts belaubt ist.

a.) Auf der linken Bildhälfte sehen wir, wie Adam aus dem Paradies vertrieben wird. Nach dem Sündenfall (Adam und Eva unter dem Apfelbaum) unterliegt er dem Gesetz (Mose, der die zwei Tafeln mit den Zehn Geboten zeigt) und wird mit einem langen Speer zur Strafe ins ewige Feuer getrieben, weil er diese Gebote immer wieder bricht. Über allem sitzt Gott als richtender Herrscher über alles („Pantokrator“), als allmächtiger Herrscher und Richter (darum das Schwert der Gerechtigkeit und die Lilie der Unschuld). Im Wolkenhimmel beten Maria und Johannes der Täufer ihn an.

b.) Auf der rechten Bildhälfte ist oben zu sehen, wie ein Engel die gute Nachricht an Maria und die Hirten verkündet. Johannes der Täufer (der Vorläufer Jesu) verweist den Menschen (Adam) mit seiner rechten Hand auf Christus. Unter dem Kreuz steht Christus als „Lamm Gottes, das die Sünden der Welt getragen hat“. Mit seinem Blut besprengt er den Menschen mit seinem Blut „zur Vergebung der Sünden“. Die Zeltstadt und die Toten auf dem Feld verweisen auf Krieg und kennzeichnen den Menschen nach wie vor als Sünder. Aber der auferstandene Christus, der aus der Grabeshöhle bzw. dem Totenreich tritt, hat den Tod (den „alte Drachen“) überwunden. So wird der Mensch durch seinen Glauben an den Gekreuzigten und Auferstandenen gerechtfertigt. Gott schenkt ihm und uns den Heiligen Geist (Taube). In Tod und Auferstehung Jesu Christi geschieht Versöhnung. Damit ist der Mensch Sünder und Gerechtfertigter zugleich (lateinisch: „simul iustus et peccator“).

3.) Luther hat in seinem Leben als Mönch durch Askese und Buße versucht, den Anforderungen des Gesetzes Gottes (linke Bildhälfte) zu entsprechen, was ihn aber verzweifeln ließ, weil er immer wieder sein eigenes Scheitern erleben musste. Erst die Entdeckung eines uns allein durch Gnade (lat.: „sola gratia“) rechtfertigenden Gottes (rechte Bildhälfte) bedeutete für ihn Befreiung, Versöhnung und Glaubenssicherheit, allein vermittelt durch die Tat Christi (lat.: „solus Christus“) bzw. durch die gute Nachricht davon in der Heiligen Schrift (lat.: „sola scriptura“). Allein der Glaube daran (lat.: „sola fide“) rettet vor Strafe und ewiger Verdammnis.

4.) Damit traten die strafende „aktive“ Gerechtigkeit Gottes (und damit Hölle, Gericht und die Notwendigkeit der Kirche als allein vermittelnde Heilsinstanz) in den Hintergrund und wurden durch die „passive“ Rechtfertigung des Menschen durch die Liebe und Gnade Gottes ersetzt. Der Mensch hat Gott zwar nichts zu bieten, ist aber gerechtfertigt, wenn er an die Heilstat Christi und die Worte der Schrift glaubt.

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