Jg12: Von der Freiheit eines Christenmenschen

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Martin Luther (1520):

–  Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan.

 – Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.

Das bedeutet:

  • der innerliche Mensch (geistlich, neu, gerechtfertigt), ist frei und unabhängig von äußerem, niemandem verpflichtet (außer Gott)
  • der äußerliche Mensch (leiblich, alt, nicht gerechtfertigt), ist unfrei, abhängig von den Dingen des Lebens, zu guten Werken verpflichtet

Also:

  • Menschliche Freiheit ist seelische innerliche Freiheit; aus dieser inneren Freiheit folgt aber die Verpflichtung zur Nächstenliebe
  • Diese innere Freiheit ist nur gebunden an Gott, sonst an niemanden; nach außen zeigt sich diese Freiheit aber ausschließlich im Dienst am Nächsten

Ziele Luthers:

– Ihm geht es um die Befreiung von selbsternannten Vordenkern der Welt (gebunden nur im Glauben an Gott);
Luther dürfte hier v.a. an die Autorität der katholischen Kirche (in der Person des Papstes) gedacht haben

– Das Gewissen ist nur dem Wort Gottes verpflichtet, ist letztendlich alleiniger Maßstab des Handelns eines Christen

– Aber: diese Freiheit berührt auch die Freiheit anderer, darum ist ein „Dienst der Nächstenliebe“ aus Freiheit notwendig

– Es gibt daher auch keinen Platz für einen Egoismus, der nur noch sich selbst dient

– Aber: Diese Freiheit gilt nur für den inneren Menschen, nicht für den äußerlichen: Die Gedanken sind frei, die Taten nicht (z.B., weil man lt. Römer 13 den
staatlichen Obrigkeiten gehorchen muss, weil diese „von Gott eingesetzt“ sind.

Adaption heute (siehe Textlink zum Reformationsjubiläum 2017):

  • Luthers Thesen machen ihn zu einem „Befreier des Geistes“ und zu einem „Vordenker der Freiheit“
  • Es ging/geht Luter aber nicht allein um „Freiheit von etwas“, sondern eben auch um „Freiheit zu etwas“
  • Freiheit geht also mit Verantwortung einher: sie muss sich freiwillig „an des Wohl des Nächsten“ binden
  • Der Staat darf den Bürger in seiner ihm (von Gott zugesprochenen) Freiheit  „nicht ideologisch bevormunden“. Er darf nur die Rahmenbedingungen für ein gutes Zusammenleben setzen